Klaus Wowereit beim Jazzfrühschoppen
Kultur und Politik lassen sich trefflich verbinden. So etwa beim Jazzfrühschoppen, zu dem Hans-Ulrich Pfaffmann heuer den Regierenden Bürgermeister von Berlin eingeladen hat. Ob schwarz-gelbes Sparpaket, Staats- und Kommunalfinanzen oder Gesundheitsreform – es gab Einiges zu diskutieren am Sonntag.
“Hiermit ist der Beweis erbracht”, freute sich der Gastgeber des “Jazzfrühschoppen” Hans-Ulrich Pfaffmann, “die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten können nicht nur große Städte gut regieren, sondern auch gut Wetter machen!” Da spricht Erleichterung aus dem Münchner Vorsitzenden, denn bei Nieselnebel ist der Biergarten nur halb so schön.
Das gilt auch für den Rundumschlag eines talentierten Rhetorikers wie Klaus Wowereit. Der Regierende Bürgermeister Berlins und stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD unterhält mit Spitzen im Wortspiel gegen die Regierungsmannschaft:
“Die Bundesregierung ist die größte Nicht-Regierungs-Organisation in Deutschland: N G O” (von englisch Non-Governmental Organization), wobei das “NGO” sich trefflich “Angie Oh!” aussprechen lässt… Komisch findet Wowereit das aber nicht, denn “Deutschland hat etwas Besseres verdient!”
Es könne doch nicht sein, schimpft er, dass bei den Arbeitslosen gespart werde und bei der Wirtschaft nicht. Es könne doch nicht sein, dass in der Gesundheitspolitik bald nur die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die Steigerungen bei den Kosten geradestehen müssten. Es könne doch nicht sein, dass weiter ganze Bevölkerungsgruppen ökonomisch isoliert würden, weil sie sich trotz Vollzeit-Arbeit kein Theater, Kino oder Restaurant leisten könnten – “auch das ist eine Form von Ausgrenzung!”
Das Ganze lasse sich allerdings nicht durch ein emsiges Bekraxeln eines sogenannten Bildungsgipfels beheben, wie das die Kanzlerin offenbar gedacht habe. “Leider war das bestenfalls ein Bildungs-Maulwurfshügel”, spottet Wowereit.
Wowereit hatte für Pfaffmanns Jazzfrühschoppen “unter zwei Bedingungen” zugesagt, erklärt der Gastgeber: A) dürfe es nicht regnen und B) müsse es voll sein. Hängt ein bisschen voneinander ab, deshalb umso größer die Freude über den vollen “Schlösselgarten” bei milden 20 Grad. Im Anschluss an die Rede des Berliner Stargasts haben Münchner und Berliner noch Zeit, mit ihm bei einer Maß ein paar Worte zu wechseln. Die Gelegenheit lässt sich eine aristokratisch angehauchte Wahlmünchnerin nicht entwischen, auch wenn sie normalerweise eher nicht so häufig auf SPD-Veranstaltungen ist: “Ick stamme aus Berlin – doch klar, dass ick heute hier bin!”
Die Musik von “Young Nova Express” mit Christofer Varner verleiht so gewichtigen Themen wie Sparpaket, Finanzen und Gesundheit zusätzlichen Schwung am Sonntagvormittag. Der Biergarten feiert weiter zu Jazzklängen, während Klaus Wowereit “nach Bayern” muss, genauer, nach Freising, und dann nach Berlin. Die Münchner lassen sich’s derweil noch lange im Schlösselgarten gutgehen.










